Mitarbeitende binden: Ein praktischer Leitfaden für HR-Verantwortliche in der Schweiz

Mitarbeitende binden gelingt vor allem dort, wo Unternehmen Vertrauen, faire Bezahlung, echte Entwicklungsmöglichkeiten und eine gesunde Führungskultur konsequent zusammenbringen. In der Schweiz, wo der Arbeitsmarkt trotz leicht steigender Arbeitslosigkeit angespannt bleibt, entscheidet die Fähigkeit, Mitarbeitende zu binden, zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Dieser Leitfaden zeigt konkrete, umsetzbare Massnahmen, mit denen Sie Fluktuation senken und Ihr Team langfristig stärken. 

Die wichtigsten Punkte im Überblick 

  • Mitarbeitende binden beginnt am ersten Arbeitstag und nicht erst nach der Probezeit, denn ein schwacher Onboarding-Prozess erhöht das Risiko einer frühen Kündigung deutlich. 
  • Die häufigsten Kündigungsgründe sind die Beziehung zum direkten Vorgesetzten und dessen Führungsstil, die fehlende Entwicklungsperspektive und eine als unfair empfundene Bezahlung. 
  • Eine gute Fluktuationsrate liegt in den meisten Schweizer Branchen zwischen 8% und 12% pro Jahr, wobei Gastgewerbe und Detailhandel deutlich höhere Werte aufweisen. 
  • Flexible Arbeitsmodelle und ein respektierter Feierabend zählen zu den wirksamsten und zugleich kostengünstigsten Instrumenten zur Mitarbeiterbindung. 
  • Regelmässige, strukturierte Gespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden verhindern nachweislich mehr Kündigungen als einmalige Sonderaktionen oder Bonuszahlungen. 

Warum Mitarbeitende binden wichtiger ist als je zuvor 

Mitarbeitende binden ist heute eine strategische Notwendigkeit, weil jede Kündigung Wissen, Kundenbeziehungen und Produktivität kostet, die sich nicht sofort ersetzen lassen.

Der Schweizer Arbeitsmarkt ist gleichzeitig von historisch tiefer Arbeitslosigkeit und einem spürbaren Mangel an qualifizierten Fachkräften in mehreren Branchen geprägt. Wer heute nicht aktiv in Bindung investiert, verliert Talente an Unternehmen, die dies tun. 

Die tatsächlichen Kosten einer Kündigung 

Der Verlust einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters kostet in der Regel deutlich mehr, als viele Unternehmen einkalkulieren. Zu den direkten Kosten für Rekrutierung, Einarbeitung und temporäre Überbrückung kommen indirekte Verluste durch geringere Produktivität, Wissensabfluss und zusätzliche Belastung des verbleibenden Teams hinzu.

In wissensintensiven oder spezialisierten Rollen kann diese Gesamtbelastung mehrere Monatsgehälter der betroffenen Position erreichen. Hinzu kommt das Risiko einer Fehlbesetzung: Wird eine offene Stelle unter Zeitdruck neu besetzt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer falschen Rekrutierungsentscheidung, was die tatsächlichen Kosten einer Kündigung zusätzlich erhöht. Diese Grössenordnung macht deutlich, warum Prävention wirtschaftlich sinnvoller ist als Nachbesetzung. 

Mitarbeitende gewinnen und binden im heutigen Arbeitsmarkt 

Wer heute Mitarbeitende gewinnen und binden will, muss anerkennen, dass sich die Verhandlungsmacht spürbar in Richtung Arbeitnehmende verschoben hat. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) lag die Arbeitslosenquote in der Schweiz im Juni 2026 bei 2,9%, ein Niveau, das den Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte weiterhin verschärft. Gleichzeitig zeigen aktuelle Marktanalysen, dass sich der Fachkräftemangel in einzelnen Bereichen wie Gesundheit, Bau und Technik trotz konjunktureller Abkühlung nur langsam entspannt. Unternehmen, die Talente gewinnen und gleichzeitig halten wollen, benötigen deshalb eine durchgängige Strategie, die bei der Rekrutierung beginnt und weit über den Eintrittstag hinausreicht. 

Fluktuation mit Daten messen und überwachen 

Fluktuation lässt sich nur steuern, wenn Sie sie zunächst korrekt messen und regelmässig beobachten. Ohne verlässliche Kennzahlen bleibt jede Massnahme zur Mitarbeiterbindung ein Rätselraten. Eine strukturierte Datenbasis zeigt Ihnen zudem frühzeitig, in welchen Teams oder Standorten sich Probleme abzeichnen. 

So berechnen Sie Ihre Fluktuationsrate 

Die Fluktuationsrate berechnet sich, indem Sie die Anzahl der Austritte in einem Zeitraum durch die durchschnittliche Mitarbeiterzahl im selben Zeitraum teilen und das Ergebnis mit 100 multiplizieren. Ein Unternehmen mit durchschnittlich 200 Mitarbeitenden und 20 Austritten pro Jahr weist demnach eine Fluktuationsrate von 10% auf. Für aussagekräftigere Ergebnisse lohnt es sich, freiwillige und unfreiwillige Austritte separat auszuweisen, da beide unterschiedliche Ursachen und Handlungsfelder aufzeigen. 

Was gilt als «gute» Fluktuationsrate, und wie unterscheidet sie sich nach Branche 

Eine Fluktuationsrate zwischen 8% und 12% pro Jahr gilt in der Schweizer HR-Praxis für die meisten Branchen als gesund und normal. Branchen mit hohem Anteil an Temporär- und Saisonstellen wie Gastgewerbe, Detailhandel oder Bau weisen erfahrungsgemäss deutlich höhere Werte auf, ohne dass dies zwingend auf strukturelle Probleme hindeutet. In Pflege- und Betreuungsberufen beobachtet das SchweizerischeGesundheitsobservatorium (Obsan) die Fluktuation gesondert, da sie direkte Auswirkungen auf die Versorgungsqualität hat. 

Branche Typische Fluktuationsrate Haupttreiber 
Industrie, Technik, Finanzen 8–12% Karriereentwicklung, Vergütung 
Detailhandel 15–25% Saisonalität, Teilzeitanteil 
Gastgewerbe und Hospitality 25–40% Saisonarbeit, Arbeitsbedingungen 
Bauwesen 15–20% Projektbezogene Anstellungen 
Gesundheits- und Pflegeberufe 12–18% Arbeitsbelastung, Schichtdienst 

Pulsbefragungen und HR-Technologie zur frühzeitigen Erkennung von Kündigungsrisiken 

Kurze, regelmässige Pulsbefragungen erkennen sinkende Zufriedenheit oft Monate, bevor eine Kündigung ausgesprochen wird. Fragen zu Arbeitsbelastung, Führung und Entwicklungsperspektive liefern dabei mehr Aussagekraft als eine einmalige, umfangreiche Jahresumfrage. HR-Analytics-Tools können ergänzend helfen, Muster wie sinkende interne Bewerbungen, häufigere Absenzen oder nachlassendes Engagement systematisch zu erfassen, bevor sie sich in Kündigungszahlen niederschlagen. 

Was Mitarbeitende wirklich zum Kündigen bewegt 

Die tatsächlichen Kündigungsgründe unterscheiden sich häufig deutlich von den Vermutungen des Managements. Während Führungskräfte Gehalt oft als Hauptgrund annehmen, zeigen wiederkehrende Muster in Exit-Interviews meist ein vielschichtigeres Bild aus Führung, Entwicklung und Wertschätzung. 

Die häufigsten Gründe, von Bezahlung bis zu schwacher Führung 

Folgende Faktoren tauchen in Austrittsgesprächen und Studien zur Mitarbeiterbindung immer wieder als zentrale Kündigungsgründe auf: 

  • Fehlendes Vertrauen in die direkte Führungskraft oder mangelnde Unterstützung im Arbeitsalltag. 
  • Fehlende Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens. 
  • Als unfair empfundene Bezahlung im Vergleich zu Markt oder Kolleginnen und Kollegen. 
  • Dauerhafte Überlastung ohne ausreichenden Ausgleich oder Flexibilität. 
  • Fehlende Anerkennung für erbrachte Leistung. 

Wie Sie Ihre eigenen Austrittsdaten lesen, statt Gründe zu erraten 

Anstatt sich auf generelle Studien zu verlassen, sollten Sie Ihre eigenen Exit-Interviews und Austrittsdaten systematisch auswerten. Kategorisieren Sie jeden Austrittsgrund konsequent und werten Sie die Daten quartalsweise nach Abteilung, Standort und Führungskraft aus. So erkennen Sie, ob es sich um ein unternehmensweites Muster oder ein lokal begrenztes Problem in einem bestimmten Team handelt. 

Mitarbeiterbindung beginnt beim Onboarding 

Mitarbeiterbindung beginnt am ersten Arbeitstag, nicht erst nach Ablauf der Probezeit. Ein strukturierter Onboarding-Prozess mit klaren Ansprechpersonen, definierten Zielen für die ersten 90 Tage und regelmässigem Feedback senkt das Risiko einer frühen Kündigung erheblich. Neue Mitarbeitende, die sich in den ersten Wochen orientierungslos fühlen, verlassen ein Unternehmen überdurchschnittlich häufig innerhalb des ersten Jahres. Ein durchdachter Einstieg zahlt sich deshalb direkt auf die spätere Bindung ein. 

Geben Sie Ihren Mitarbeitenden Flexibilität und echte Work-Life-Balance 

Flexibilität gehört zu den wirksamsten und zugleich günstigsten Instrumenten, um Mitarbeitende zu binden. Unternehmen, die Arbeitszeit und Arbeitsort dort flexibilisieren, wo es die Tätigkeit zulässt, berichten regelmässig von höherer Zufriedenheit und geringerer Fluktuation. Entscheidend ist dabei, dass Flexibilität nicht nur angeboten, sondern im Arbeitsalltag auch tatsächlich gelebt wird. 

Flexible Arbeitszeiten sowie Remote- und Hybrid-Optionen 

Gleitzeitmodelle, komprimierte Arbeitswochen oder Hybrid-Lösungen mit klar definierten Präsenztagen geben Mitarbeitenden Kontrolle über ihren Alltag, ohne die betriebliche Planbarkeit zu gefährden. Für operative Rollen, in denen physische Präsenz erforderlich ist, lässt sich Flexibilität oft über Schichttausch-Optionen oder planbare Dienstpläne erreichen. 

Freizeit schützen und das Recht auf Nichterreichbarkeit respektieren 

Das Schweizer Arbeitsgesetz und das Obligationenrecht schützen bereits heute die täglichen Ruhezeiten der Mitarbeitenden, auch wenn die Schweiz bislang über kein eigenständiges Gesetz zum Recht auf Nichterreichbarkeit wie einige Nachbarländer verfügt. Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden ausserhalb der Arbeitszeit klar signalisieren, dass keine Erreichbarkeit erwartet wird, stärken das Vertrauen spürbar. Eine schriftliche, intern kommunizierte Richtlinie zur Erreichbarkeit schafft hier zusätzliche Klarheit für beide Seiten. 

Warum sich Flexibilität auch nach dem pandemiebedingten Wandel weiter auszahlt 

Die während der Pandemie eingeführte Flexibilität ist für viele Mitarbeitende zur festen Erwartung geworden, nicht zu einem vorübergehenden Zugeständnis. Unternehmen, die flexible Modelle wieder zurücknehmen, riskieren erhöhte Kündigungen gerade bei jenen Fachkräften, die aufgrund ihrer Qualifikation die grösste Auswahl an Alternativen haben. Flexibilität bleibt damit auch mittelfristig ein zentraler Faktor, um Mitarbeitende zu binden. 

Tauschen Sie Mikromanagement gegen Autonomie, Sinn und Können 

Autonomie, ein klares Zielverständnis und die Möglichkeit, eigene Fähigkeiten weiterzuentwickeln, motivieren nachhaltiger als engmaschige Kontrolle. Mitarbeitende, die spüren, dass ihnen echte Verantwortung übertragen wird, identifizieren sich stärker mit ihrer Aufgabe und dem Unternehmen. 

Mitarbeitenden Eigenverantwortung für ihre Arbeitsweise geben 

Statt jeden Arbeitsschritt vorzugeben, sollten Führungskräfte klare Ziele definieren und den Weg dorthin den Mitarbeitenden überlassen. Dies setzt Vertrauen sowie klare Leitplanken voraus, innerhalb derer Entscheidungen eigenständig getroffen werden können. 

Job Crafting: Rollen an individuelle Stärken anpassen 

Job Crafting bedeutet, bestehende Rollen so anzupassen, dass sie die individuellen Stärken und Interessen einer Person besser widerspiegeln, ohne die Kernverantwortung der Stelle zu verändern. Dies kann bedeuten, einer Person mehr Projektverantwortung, Kundenkontakt oder fachliche Spezialisierung zu übertragen, wenn dies ihren Stärken entspricht. Job Crafting erhöht nachweislich das Engagement, weil Mitarbeitende ihre Rolle stärker als eigene Gestaltung wahrnehmen und selbst gestalten. 

Bauen Sie echte Karrierewege durch interne Mobilität auf 

Interne Mobilität zeigt Mitarbeitenden konkret, dass Entwicklung innerhalb des Unternehmens möglich ist und nicht ausschliesslich extern gesucht werden muss. Fehlt diese Perspektive, suchen ambitionierte Mitarbeitende ihre nächste Herausforderung zwangsläufig bei einem anderen Arbeitgeber. 

Offene Stellen zuerst intern ausschreiben, bevor extern rekrutiert wird 

Eine interne Ausschreibungspflicht vor der externen Rekrutierung signalisiert Mitarbeitenden, dass ihre Entwicklung Priorität hat. Dies erhöht zudem die Erfolgsquote von Besetzungen, da interne Kandidatinnen und Kandidaten Unternehmenskultur und Prozesse bereits kennen. 

Mentoring und klare Aufstiegswege 

Strukturierte Mentoring-Programme und transparent kommunizierte Aufstiegskriterien geben Mitarbeitenden eine realistische Vorstellung davon, wie sich ihre Karriere im Unternehmen entwickeln kann. Ohne diese Transparenz bleibt Entwicklung für viele Mitarbeitende ein vages Versprechen statt einer greifbaren Perspektive. 

Bezahlen Sie fair, und kommunizieren Sie das Gesamtbild 

Faire Bezahlung ist eine Grundvoraussetzung für Mitarbeiterbindung, jedoch selten der einzige entscheidende Faktor. Entscheidend ist, dass Mitarbeitende ihre Vergütung im Vergleich zu Markt und Kolleginnen und Kollegen als gerecht empfinden und die gesamte Wertschöpfung des Arbeitgebers sichtbar wird. 

Löhne benchmarken und Lohngleichheit überprüfen 

Regelmässige Lohn-Benchmarks gegenüber vergleichbaren Positionen im Schweizer Arbeitsmarkt zeigen frühzeitig, wo Anpassungsbedarf besteht. Ergänzend prüfen Lohngleichheitsanalysen, ob innerhalb vergleichbarer Rollen unbegründete Unterschiede bestehen, etwa zwischen Geschlechtern oder Altersgruppen. Beides gehört inzwischen zur Standardpraxis verantwortungsvoller Personalarbeit in der Schweiz. 

Das gesamte Vergütungspaket sichtbar machen, nicht nur den Lohn 

Viele Mitarbeitende kennen den Wert ihrer Vergütung über den Grundlohn hinaus nicht, etwa bei Pensionskassenbeiträgen, Weiterbildungsbudgets, Ferientagen über das gesetzliche Minimum hinaus oder Zusatzversicherungen. Eine jährliche, klar aufgeschlüsselte Übersicht dieser Gesamtvergütung macht den tatsächlichen Wert des Arbeitsverhältnisses transparent und stärkt die wahrgenommene Fairness. 

Anerkennen und wertschätzen Sie Leistungen, regelmässig 

Anerkennung wirkt am stärksten, wenn sie zeitnah, konkret und regelmässig erfolgt, statt sich auf einen jährlichen Bonus zu beschränken. Ein einfaches, aber ehrliches Dankeschön für eine konkrete Leistung hat oft eine grössere Wirkung auf die Bindung als ein pauschales Geschenk. Unternehmen, die Anerkennung systematisch in Teammeetings, Eins-zu-eins-Gesprächen und unternehmensweiter Kommunikation verankern, berichten von spürbar höherem Engagement. 

Stärken Sie die Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften 

Die Beziehung zur direkten Führungskraft beeinflusst die Bindung stärker als nahezu jeder andere Einzelfaktor. Unternehmen, die in Führungsqualität investieren, senken ihre Fluktuation oft deutlicher als durch finanzielle Anreize allein. 

Warum Mitarbeitende häufiger Führungskräfte verlassen als Unternehmen 

Mitarbeitende kündigen in der Praxis häufiger wegen einer schwierigen Beziehung zur direkten Führungskraft als wegen des Unternehmens als Ganzes. Fehlendes Feedback, mangelnde Unterstützung oder unklare Erwartungen belasten diese Beziehung besonders stark. Eine Investition in Führungsentwicklung wirkt sich deshalb direkt auf die Bindungsrate aus. 

Regelmässige Eins-zu-eins-Gespräche, offenes Feedback und daraus abgeleitete Massnahmen 

Regelmässige, strukturierte Eins-zu-eins-Gespräche schaffen Raum für Anliegen, bevor sie zu einem Kündigungsgrund werden. Entscheidend ist dabei nicht nur das Zuhören, sondern das sichtbare Umsetzen konkreter Massnahmen aus diesem Feedback. Führungskräfte, die Rückmeldungen aufnehmen, aber nie sichtbar handeln, verlieren langfristig das Vertrauen ihres Teams. 

Fördern Sie Gemeinschaft und Zugehörigkeitsgefühl 

Ein starkes Zugehörigkeitsgefühl entsteht durch echte Beziehungen im Team, gemeinsame Erlebnisse und eine Kultur, in der sich unterschiedliche Menschen willkommen fühlen. Regelmässige Teamformate, funktionsübergreifender Austausch und eine inklusive Kommunikation tragen massgeblich dazu bei. Mitarbeitende, die sich als Teil einer Gemeinschaft erleben, verlassen ein Unternehmen seltener aus reiner Unzufriedenheit mit einzelnen Aspekten der Stelle. Eine gelebte Vielfalt und Inklusion stärken dieses Zugehörigkeitsgefühl zusätzlich, da sich Mitarbeitende mit unterschiedlichen Hintergründen gleichermassen wertgeschätzt fühlen. Weitere Impulse und praxisnahe Tipps zur Förderung von Diversity und Inklusion in Ihrem Unternehmen finden Sie in unserem Ratgeber. 

Mitarbeiterbindung als Compliance- und Führungsverantwortung 

Mitarbeiterbindung ist nicht allein eine HR-Aufgabe, sondern eine geteilte Verantwortung von Compliance und Führung. Das Schweizer Arbeitsrecht verpflichtet Arbeitgeber über Artikel 328 des Obligationenrechts zur Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitenden, einschliesslich des Schutzes von Gesundheit und Persönlichkeit. Unternehmen, die diese Fürsorgepflicht ernst nehmen und Führungskräfte entsprechend schulen, schaffen die rechtliche wie kulturelle Grundlage für nachhaltige Bindung. 

Wenn jemand trotzdem geht: gut aus dem Unternehmen ausscheiden 

Auch bei bester Bindungsstrategie werden Mitarbeitende das Unternehmen verlassen, und ein professioneller Austrittsprozess bleibt dabei ebenso wichtig wie das Onboarding. Ein strukturiertes Exit-Interview, eine geordnete Übergabe und ein wertschätzender Abschied hinterlassen einen bleibenden Eindruck, der sich auf Arbeitgeberbewertungen, Empfehlungen und mögliche spätere Rückkehr auswirkt. Ehemalige Mitarbeitende, die das Unternehmen im Guten verlassen, werden nicht selten zu Kundinnen, Kunden oder erneuten Bewerbenden. Dieses Phänomen wird in der HR-Praxis auch als Boomerang-Recruiting oder Rehiring bezeichnet und gewinnt zunehmend an Bedeutung, auch wenn belastbare Zahlen für die Schweiz aktuell fehlen. 

Fazit 

Mitarbeitende binden ist kein einzelnes Programm, sondern das Ergebnis vieler konsistenter Entscheidungen, von der Führungskultur über faire Bezahlung bis zu echter Entwicklungsperspektive. Unternehmen, die Fluktuation aktiv messen, die eigentlichen Kündigungsgründe verstehen und gezielt an Flexibilität, Anerkennung und Führungsqualität arbeiten, senken ihre Fluktuation spürbar. Gi Group unterstützt Unternehmen in der Schweiz dabei, die passenden Fachkräfte zu finden und zu halten, sei es über Temporärvermittlung, Feststellenvermittlung oder ergänzende HR-Dienstleistungen. Wer heute in Mitarbeiterbindung investiert, sichert sich morgen einen klaren Vorteil im Wettbewerb um Talente. 

FAQs (Frequently Asked Questions)


Eine Fluktuationsrate zwischen 8% und 12% pro Jahr gilt in den meisten Schweizer Branchen als gesund. In Branchen mit hohem Saisonanteil wie Gastgewerbe oder Detailhandel liegen deutlich höhere Werte im normalen Bereich, ohne dass dies automatisch auf ein Problem hindeutet. 

Der häufigste Grund ist in der Regel die Beziehung zur direkten Führungskraft, nicht die Bezahlung. Fehlende Unterstützung, mangelndes Feedback und unklare Erwartungen wiegen in Exit-Interviews oft schwerer als das Gehalt allein. 

Kleine Unternehmen verbessern die Mitarbeiterbindung vor allem über Flexibilität, Anerkennung und Kommunikation, die kaum Budget erfordern. Regelmässige Eins-zu-eins-Gespräche, flexible Arbeitszeiten und ein transparenter Umgang mit Entwicklungsmöglichkeiten wirken oft stärker als finanzielle Anreize. 

Die Fluktuationsrate berechnet sich, indem die Anzahl der Austritte in einem Zeitraum durch die durchschnittliche Mitarbeiterzahl geteilt und mit 100 multipliziert wird. Für aussagekräftigere Resultate lohnt sich eine getrennte Betrachtung von freiwilligen und unfreiwilligen Austritten. 

Remote- und Hybrid-Arbeit verbessert die Bindung in den meisten Fällen, sofern die Tätigkeit dies zulässt und die Flexibilität im Alltag auch tatsächlich gelebt wird. Entscheidend ist weniger der Arbeitsort selbst als die dadurch gewonnene Autonomie und Vereinbarkeit mit dem Privatleben. 

Ein strukturiertes Eins-zu-eins-Gespräch alle zwei bis vier Wochen gilt in der HR-Praxis als wirksamer Rhythmus zur Stärkung der Bindung. Wichtiger als die genaue Frequenz ist, dass aus diesen Gesprächen sichtbare Massnahmen folgen. 


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